
5 Jahre Euro- 5 Jahre Teuro?
Europäer haben sich noch nicht an den Euro gewöhnt
Während zum Eurostart noch knapp 60 Prozent der Befragenten die neue Währung als vorteilhaft ansahen, sind es jetzt nur noch knapp 50 Prozent. Deutschland weist mit 44% den höchsten Anteil an Eurogegnern auf (Eurobarometer-Studie der EU-Kommission). Wo es wirklich teurer geworden ist durch den Euro hat Sonja Volkmann-Schluck nachrecherchiert.
93 Prozent der Europäer glauben, dass durch den Euro vieles teurer geworden ist. In einigen Punkten haben sie recht. Friseure kassierten nach der Euro-Bargeld-Einführung knapp 2% mehr, teurer wurde auch der Kaffee oder das Mittagsessen im Restaurant. Reinigungen schlugen im Jahr 2002 sogar 2.5% drauf. Und auch Kinokarten, Brötchen und Schokolade kosten mehr als zu D-Mark-Zeiten. Insgesamt hat der Euro das Leben aber nicht verteuert. Schuld waren oft andere Faktoren – zum Beispiel höhere Energiepreise oder die Tabaksteuer. „Einige Produkte sind im Euro-Zeitalter auch billiger geworden“, sagt Ute Egner vom Statistischen Bundesamt. Dazu gehören vor allem Elektronik und einige Lebensmittel, zum Beispiel Bohnenkaffee oder Butter.
Pessimistische Grundhaltung zum Euro
„Teuro-Illusion“ nennen Psychologen das Phänomen, warum in den meisten Köpfen der Euro trotzdem als Teuro abgespeichert ist. Gerade die Deutschen haben den Verlust ihrer guten alten DM besonders schwer genommen – und standen dem Euro von Anfang an ablehnend gegenüber. „Diese pessimistische Grundhaltung hat dazu geführt, dass die meisten auch dort höhere Preise sehen, wo in Wirklichkeit gar keine sind“, erklärt Stefan Schultz-Hardt, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Universität Göttingen .
Produkte nicht teurer
Die Preise auf der Speisekarte noch mal in Mark umrechnen – auch nach fünf Jahren gehört das bei vielen Deutschen immer noch dazu. Selbst beim täglichen Einkauf rechnen nach einer Studie der Europäischen Kommission noch immer 20 Prozent der Bürger um. Trotzdem merken die meisten nicht, dass viele Produkte gar nicht teurer geworden sind. Auch das liegt wieder an den pessimistischen Erwartungen. „Oft verschätzen wir uns nämlich bei den Preisen“, erklärt der Psychologe Stefan Schultz-Hardt. „Schätzen wir ein Produkt teurer ein, bestätigt das unsere Erwartung. Schätzen wir es als zu billig ein, rechnen wir noch mal nach“.
Konsum schrumpfte
Diese „Teuro-Illusion“ hatte ganz reale Folgen. Die deutschen kauften nach der Euroeinführung weniger. Der Konsum schrumpfte von 2002 bis 2005 um 0,7 Prozent. Da 60 Prozent der Wirtschaftsleistung vom privaten Verbrauch abhängen, verschärfte die Euroeinführung die Konjunkturflaute in Deutschland.
Vorteile sehen die Deutschen vor allem beim Reisen, weil man nicht mehr umtauschen muss. Hier könnte der Euro allerdings noch mehr bringen. So kann das Geldabheben am französischen Geldautomaten immer noch genauso teuer sein wie in der Schweiz. Trotz Einheitswährung fehlen gemeinsame Regeln für den Zahlungsverkehr. Eine Überweisung nach Österreich kostet immer noch an die zehn Euro.
Quelle: http://www.swr.de